Home ] Overture ] Einstieg im Nahraum ] Nacht ] Fotos mit Gesprächen ] Gründe ] Start ] Sterile Stille ] Ödnis ] Zerstörung ] senkrecht ] Betonschule ] Eiermann ] hässlich ] langweilig ] Interpretation ] Kunstinsel ] [ Schicktot ] Impressum ]

Juniabend zwischen schicken toten Mauern




 


Es ist neun Uhr abends und immer noch hell. Ich habe einen Moment zwischen dem Herkommen und dem Hingehen, in dem ich mich mit der Kamera umblicke. Ich fotografiere in gefühlt fünf Minuten siebenundzwanzig hier auf drei Weisen verwendete Bilder: Zunächst eine ruhige Bildschau, dann eine Brücke aus zwei statischen Fotos, bis schließlich ein zerhackt hektischer Lauf entlang an schicken toten Mauern stattfindet.

Jeder Film ist ein Ansturm von Bildern - 24 in der Sekunde sind es beim Kinofilm. Jedes Bild beim klassischen 35-mm-Film nimmt die halbe Fläche eines klassischen Diafotos ein - und diese Dia-Fotos sind, wenn genug Licht da ist, unerreichbar von Digitalwiedergaben. Seit der Kinofilm ins Rollen kam, stecken wir eigentlich schon in der Flut der Bilder.

Jetzt in gewisser Weise, obwohl es seit hundert Jahren ginge, jetzt erst zerlegen wir häufig Bilder, bewegen uns auf Zwischenstrecken zwischen dem statischen Foto und dem vollen Film. Die auf dieser Seite genutzten, im Jahr 2016 sich ausweitenden Angebote ans Volk, Foto-Sequenzen zu animieren, haben ihre Vorläufer in klassischen Dia-Shows. Das Foto, der eingefangene Moment, kann als stehendes Bild Größe ausstrahlen. Was ein Galerist zu erreichen versucht, indem er einem Werk viel weiße Wand drumherum spendiert, das kann auch dem stehenden Foto gelingen, wenn es aus dem Film heraus tritt.

Der Film hat diese zwingende Zeitachse, das "immer weiter". Das Foto hingegen ist dem Buch verwandt: Ich kann dynamisch weiterblättern, weiter schauen, nach eigenem Takt. Hier habe ich durchaus schon beim Fotografieren das eine Mal langsames Schauen, das andere Mal flackerndes Eilen beabsichtigt.

Hat man genug Filme gedreht, kann es passieren, dass man wieder häufig "nur" fotografiert. Den Grund sehe ich bei allen Aufnahmen, die keine Handlung transportieren. Wer nur etwas zeigen will, wer keine Spannung aufbaut, kein Drama plant, erlebt, dass seine Werke als Film Probleme bereiten. Vom Film wird erwartet, und das ist überwiegend schon mitvollziehbar, dass er "Action" bietet.

Mehrfach zuvor bereits fotografierte ich die tote, hier gezeigte Rechteckwelt am Rande des Stuttgarter Killesbergs. Heute abend herrscht ein besonderes Licht, und ich sehe den Anflug von visueller Magie, der sich da herausholen lässt. Unter anderem gibt es in der ersten Bildschau im vierten Bild einen Punkt im Himmel: Das war ein Flugzeug, das mit blinkenden Lampen niedrig daherflog - ungewöhnlich an diesem Ort.

Die rechteckigen architektonischen Linien, die da zu sehen sind, gefallen mir nicht. Das Zwielicht wiederum gefällt mir. Ich laufe hier also in einem Zwiespalt durch die Szene. Wenn ich "schick" sage, folgt der Begriff "tot" - also viel Schickes und als modern Verkauftes interpretiere ich als monoton im Design und als billig hergestellt. Das ist eine typische "Quantities"-Botschaft, zu der auch die schnelle Masse der Fotos gehört. Vielleicht stoppe ich "Quantities" hier am 27.6.2016, nachdem ich es am 22.9.2014 eröffnet hatte.

Zum Ausklang dieser Seite gibt es Satelliten-Bilder, die ein Jahr zuvor aufgenommen wurden: Die Treppe ist noch gar nicht gebaut, als die Kamera vom Himmel herabschaut. Sie wird im mittleren Foto unten an der Straße sein.