Interpretation
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Titel des obigen Fotos: "Wir wandern vorbei und sehen nicht, und solches Nicht-Sehen erfüllt seinen Zweck"

"Ab dem 21. November 2015 präsentiert die Galerie 'Visionum' aktuelle Fotos des
Medienkünstlers Chris Mennel. Die Motive für seine Werke findet der Künstler
auf ausgedehnten Streifzügen durch deutsche Städte. Als Chronist der
unsichtbaren, dem Passanten zumeist verborgen bleibenden Teil der Städte,
richtet der Künstler seine Aufmerksamkeit auf Un-Orte, d.h. auf Strukturen
und Verkehrsbauwerke, die rein dienende Funktionen übernehmen. Solche Bauten
sind genauso auch anderenorts zu finden und taugen damit als allgemeingültige Chiffren
großstädtischen Lebens. Mit einem Satz: Chris Mennels Bildmotive sind auf eine
bestechende Art radikal normal.

Protagonisten der Fotos von Chris Mennel sind die Fassaden von Siedlungsbauten oder
Straßenzüge und Hinterhöfe in den unspektakulären Wohn- und Gewerbegebieten der Städte.
Mit seinen Fotos gräbt sich Chris Mennel in die verborgenen Strukturen der Städte hinein.
Er löst Siedlungsbauten oder Unterführungen, Brücken, Tunnel, Durchgänge oder Parkdecks
aus ihrem städtebaulichen Kontext heraus und präsentiert sie als in sich ruhende Körper.

Auf diese Art ermöglicht Mennel dem Betrachter eine neue Wahrnehmung
der Bauwerke, die im alltäglichen Gebrauch zumeist gar nicht mehr auffallen und
von den Nutzern schlichtweg als gegeben hingenommen werden. Dabei sind es gerade
diese unspektakulären Strukturen, die das Gesamtbild der Stadt und nicht zuletzt auch
das von ihr vermittelte Lebensgefühl prägen."

Also obiges klingt wunderbar. Blöderweise ist mir schon einmal ein so wunderbarer Text
doppelt begegnet, für zwei verschiedene Künstler. Der Verwunderung Lösung: Der Text
wurde von derselben Interpretin verfasst. Die Kunstinterpretation bedient sich in ihrer
Praxis den Methoden der Grabrede: Bausteine, die immer passen, werden mit ein paar
aktuellen Brücken versehen, und los geht´s.

Das ändert nicht eigentlich etwas an der Güte solch einer Interpretation. Es ändert aber
etwas in meinem Bestreben, so interpretiert zu werden: Ich übernehme hier in "Quantities",
weil es da passt, Ausschnitte gängiger Interpretationen, mit ein paar aktuellen Brücken
versehen. Ansonsten schreibe ich meine Interpretationen lieber selbst. Und meine, sie
klingen dann anders. Weniger wunderbar und mehr klar.

P.S.
Ist mittlerweile klar, dass ich obigen Text geklaut und nur leicht modifiziert habe?
Es gab am 21.11.2015 keine Ausstellung von mir, sondern jemand anderes stellte da
anderswo als in 'Visionum' etwas aus, das sich aber mit den gleichen interpretatorischen
Chiffren kommentieren ließ wie meine 'Quantities'-Fotos.